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Warum kaufen wir online, obwohl es das Produkt gleich um die Ecke gibt?

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Lokale Geschäfte bieten oft mehr als gedacht. Doch fehlende Sichtbarkeit sorgt dafür, dass viele Produkte trotzdem online gekauft werden.

Warum kaufen wir online, obwohl es das Produkt gleich um die Ecke gibt?

Ein neues Ladekabel, ein Geschenk, ein Paar Wanderschuhe oder etwas für den Haushalt: Viele von uns greifen heute zuerst zum Smartphone. Produkt suchen, Preis vergleichen, bestellen. Zwei Tage später liegt das Paket vor der Haustür.

Dabei gäbe es genau das Gesuchte vielleicht fünf Minuten entfernt.

Nicht unbedingt teurer. Nicht unbedingt schlechter. Vielleicht sogar sofort verfügbar. Das Problem ist oft ein anderes: Wir wissen schlicht nicht, dass es dieses Angebot in unserer Nähe gibt.

Was wir nicht finden, können wir nicht kaufen

Der lokale Einkauf beginnt heute längst nicht mehr erst vor dem Schaufenster. Er beginnt meistens bei Google.

Wer beispielsweise nach einem bestimmten Produkt sucht, bekommt grosse Onlineshops, Preisvergleichsportale und bekannte Marken angezeigt. Diese Unternehmen investieren seit Jahren viel Geld und Arbeit in ihre Sichtbarkeit im Internet.

Der kleine Fachbetrieb in Chur, Landquart, Ilanz oder Davos kann das kaum im gleichen Umfang.

Vielleicht führt das Geschäft genau das gesuchte Produkt. Vielleicht liegt es sogar bereits im Regal. Online ist davon jedoch nichts zu sehen.

Für den Kunden existiert das Angebot damit praktisch nicht.

Und genau hier liegt eines der grössten Probleme des regionalen Handels: Nicht das fehlende Angebot, sondern die fehlende Sichtbarkeit.

Online bestellen ist bequem – lokal wäre es manchmal noch einfacher

Der Onlinehandel hat uns an einen sehr einfachen Ablauf gewöhnt.

Suchen. Anklicken. Bestellen.

Wer lokal einkaufen möchte, muss dagegen häufig mehr Eigeninitiative zeigen. Welche Geschäfte gibt es überhaupt? Wer führt das Produkt? Ist es verfügbar? Was kostet es? Muss ich erst anrufen?

Diese zusätzlichen Schritte reichen oft schon aus, damit wir am Ende doch wieder online bestellen.

Dabei könnte der regionale Einkauf genauso einfach sein.

Stell dir vor, du suchst nach einem Produkt und siehst direkt:

Erhältlich bei einem Geschäft in Chur.

Vielleicht zusammen mit Preis, Bild und einem Link zum Anbieter.

Plötzlich wird aus dem vermeintlich bequemeren Onlinekauf eine echte Entscheidung.

Heute fehlt genau dieser Überblick noch viel zu oft.

Graubünden hat viel mehr zu bieten, als man online sieht

Wer durch Chur oder andere Bündner Ortschaften läuft, entdeckt Fachgeschäfte, kleinere Läden, Produzenten, Ateliers, Werkstätten und Familienbetriebe.

Viele davon haben ein erstaunlich grosses Sortiment.

Das Problem: Im Internet sieht man davon häufig nur einen Bruchteil.

Eine Website zeigt vielleicht Öffnungszeiten und Adresse, aber keine Produkte. Ein Instagram-Profil zeigt einzelne Neuheiten, ist bei Google aber kaum auffindbar. Andere Betriebe haben überhaupt keinen Onlineshop.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nichts anbieten.

Zwischen «kein Onlineshop» und «kein Produkt vorhanden» liegt ein grosser Unterschied.

Dieser Unterschied ist für Kunden online kaum erkennbar.

Lokal einkaufen muss nicht bedeuten, auf Komfort zu verzichten

Beim Thema regionaler Einkauf entsteht schnell ein falsches Bild.

Man müsse aus Prinzip lokal kaufen. Mehr bezahlen. Auf Auswahl verzichten. Oder mehrere Geschäfte abklappern.

Darum geht es gar nicht.

Es geht zuerst darum, überhaupt zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt.

Wenn ein Produkt online CHF 49.– kostet und ein Geschäft in der Nähe dasselbe für CHF 52.– anbietet, sieht die Entscheidung plötzlich anders aus. Vor allem wenn man es heute abholen kann, Beratung erhält und bei Problemen einen direkten Ansprechpartner hat.

Vielleicht entscheidet man sich trotzdem für den Onlineshop.

Aber wenigstens hatte der lokale Anbieter eine Chance.

Der Preis ist nicht immer das wichtigste Argument

Grosse Onlineshops sind beim Preis oft stark. Trotzdem kaufen Menschen seit Jahrzehnten nicht ausschliesslich dort, wo etwas am billigsten ist.

Persönliche Beratung, Vertrauen, sofortige Verfügbarkeit und ein Ansprechpartner vor Ort haben ebenfalls einen Wert.

Bei manchen Produkten spielt das kaum eine Rolle.

Bei anderen sehr wohl.

Wer Wanderschuhe kauft, möchte sie vielleicht anprobieren. Bei einem Geschenk möchte man das Produkt vorher sehen. Bei technischen Geräten ist eine kurze Beratung manchmal mehr wert als zehn Franken Preisunterschied.

Lokale Geschäfte haben solche Vorteile.

Sie müssen nur sichtbar werden, bevor die Kaufentscheidung bereits gefallen ist.

Vom Schaufenster ins Internet

Früher liefen Menschen durch eine Einkaufsstrasse und sahen automatisch, was die Geschäfte anbieten.

Heute beginnt dieser Rundgang auf dem Bildschirm.

Das digitale Schaufenster wird deshalb immer wichtiger.

Das muss nicht zwingend ein kompletter Onlineshop mit Warenkorb, Zahlungssystem und Versand sein. Für viele kleinere Betriebe wäre bereits viel gewonnen, wenn Interessierte online sehen könnten, welche Produkte oder aktuellen Angebote vorhanden sind.

Ein Bild.

Eine kurze Beschreibung.

Ein Preis.

Der Standort.

Und die Möglichkeit, direkt mit dem Geschäft Kontakt aufzunehmen.

Mehr braucht es manchmal gar nicht.

Vielleicht müssen wir regionalen Einkauf neu denken

«Kauf lokal» wird häufig als Aufforderung verstanden.

Vielleicht ist das der falsche Ansatz.

Menschen müssen nicht ständig daran erinnert werden, regional einzukaufen. Man sollte es ihnen einfach leichter machen.

Wenn lokale Produkte und Angebote genauso einfach auffindbar wären wie jene grosser Onlineshops, würden wahrscheinlich viele Kaufentscheidungen ganz automatisch anders ausfallen.

Denn manchmal bestellen wir nicht online, weil wir unbedingt online kaufen möchten.

Wir bestellen online, weil wir dort als Erstes finden, was wir suchen.

Und während das Paket bereits unterwegs ist, liegt dasselbe Produkt vielleicht immer noch im Regal eines Geschäfts gleich um die Ecke.

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